Die Mauer ist weg – Friedliche Revolution und Überwindung der Teilung

Eine multiaktive Ausstellung

Die Ausstellung »Die Mauer ist weg – Friedliche Revolution und Überwindung der Teilung« ist ein ebenso künstlerisch anspruchsvolles wie leistungsstarkes und innovatives System, das Filme, Klänge und Texte zur multiaktiven Nutzung bereit stellt.

Die Ausstellung wurde zunächst auf ihre erste Station hin konzipiert, dem polnischen Parlament Sejm, und dort im November 2009 erstmals gezeigt. Von Dezember 2009 bis Januar 2010 wurde sie im Deutschen Bundestag vorgestellt und stand im unterirdischen Durchgang zwischen Paul-Löbe-Haus und Reichstagsgebäude. Die nächsten Stationen wurden im Jahr 2010 die Parlamente in Wien, Budapest, Prag und Bratislava vorgestellt, jeweils eröffnet von Bundestagspräsident Norbert Lambert und dem jeweiligen Präsidenten des Gastlandes, den Abschluss bildete eine Installation im europäischen Parlament, die vom damaligen Aussenmister Guido Westerwelle eröffnet wurde.

Die Technik

Grundsätzlich ist die Ausstellung ein System aus acht Aggregaten. Jedes Aggregat steht inhaltlich für ein Kapitel der Ausstellung und besteht technisch aus einer Kombination von Rechner, Eingabegerät und Ausgabebildschirmen. Sieben dieser Aggregate beziehen ihre Inhalte aus einer gemeinsamen Datenbasis an Film- Klang- und Textmaterial. Das achte Aggregat ist eine eigenständige Informationseinheit und enthält ausschließlich Video- und Textmaterial des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums.

Die Besucherinnen und Besucher betrachten und bedienen die Aggregate von vorn. Dabei sehen sie als Ausgabegerät einen großen Hauptbildschirm auf der Stele vertikal angeordnet und davor einen horizontal schräg gerichteten Touchscreen als Eingabe- und Leseschirm zugleich.

Im Ruhezustand ist sowohl auf Hauptbildschirm als auch auf Touchscreen zunächst lediglich ein Cover zu sehen, dass ein thementypisches Motiv zeigt und das Kapitel benennt; ausserdem das Logo des Deutschen Bundestages. Erst durch die gezielte Auswahl der Besucherinnen und Besucher über den Touchscreen werden die Ausstellungsinhalte aktiviert: Bei Berührung wechselt das Coverbild hin zu einer Auswahl von Begriffen, diese weichen nach einer weiteren Berührung einem Textfeld, das je nach Informationsdichte bis zu sechs Kurztexte gleichzeitig zeigt. Parallel dazu erscheinen auf dem Hauptbildschirm vier Filmmotive, deren Position die Besucherinnen und Besucher durch Berühren eines entsprechenden fotografischen Symbols selbst anordnen können; in eine große Bildansicht oben und drei kleineren darunter. Ergänzt werden Filme und Texte durch eine Klangcollage, bestehend aus aktuellen Alltagsimpressionen an historischen Orten (Brandenburger Tor, Bernauer Brücke, etc.) und berühmten Zitaten.

Material und Collage

Das Material wird auf diese besondere Weise nicht in einer regelmäßigen Abfolge kontinuierlich vorgeführt, wie es beispielsweise bei einem herkömmlichen Film der Fall wäre, sondern Ausschnitte werden zu einer Collage zusammengesetzt, die neben Text und Klang aus vier immer neu wechselnden Bildanteilen besteht.

Die Auswahl der Motive für diese Collage geschieht dabei durch eine Art geordneten Zufall; jeder einzelne Filmclip ist mit einem 9-stelligen Index nummeriert. Dieser Index beinhaltet die Informationen über thematische Zugehörigkeit, Ausdruck, Technik, etc., beschreibt dadurch den Filminhalt und sortiert ihn zugleich in eine Anzahl möglicher thematischer Kombinationen. Mit anderen Worten, ein Filmausschnitt könnte theoretisch auf mehreren Stelen gleichzeitig erscheinen, oder aber auch auf keiner der Stelen, je nachdem, welche Begriffsabfolge die Besucherinnen und Besucher gerade aktivieren. Ist eine Filmkombination aktiviert, erscheint sie in der Filmcollage auf dem Hauptbildschirm maximal 30 Sekunden lang. Sollten die Besucherinnen und Besucher während dieser Zeit den Touchscreen nicht mehr berühren, wechselt die Darstellung wieder in den Ruhemodus des Covers.

Zusammenfassung

Zusammengefasst kann man sich die Ausstellung, respektive die Datenbank, auch als eine riesige Film- und Textmaschine vorstellen, in der Materialien ständig dazu bereit gehalten werden, um immer wieder neu kombiniert und gleichsam montiert werden zu können. Die Stelen sind dabei wie Fenster in diesem Vorgang und zeigen den Besucherinnen und Besuchern jeweils einen kurzen Ausschnitt des Materials.

Auf diese Weise werden die Filmausschnitte zu ständig wechselnden Bestandteilen von sieben Collagen, die den Besucherinnen und Besuchern die Themen – im Unterschied zu einem durchlaufenden Film – vor allem assoziativ illustrieren.

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