Synchronpunkte

Das Portrait des Dirigenten Frank Strobel als experimentelle Text- Klang- und Bildcollage und Essayfilm zum Motiv  „Musikalische Struktur als Identität“.

Frank Strobel probt Matrix © Thomas Mank 2016

Der Synchronpunkt

Im Allgemeinen ist der Synchronpunkt eine Positionsmarkierung um anzeigen, wann ein akustisches  Ereignis ein visuelles unterstützen soll, beispielsweise die Bewegung einer Figur oder eines Objektes. In der Filmmusik steht der Synchronpunkt auch für die Bindung der Komposition an die visuelle Vorgabe. Hier kann es zu einer besonderen Herausforderung an das Orchester wie auch den Dirigenten werden, dass der Spielraum musikalischer Interpretation einerseits begrenzt ist, andererseits dadurch zugleich das visuelle Erlebnis erweitert wird.

Dieses besondere Verhältnis von Film und Musik bleibt in der Regel unbemerkt, solange das filmische Ereignis als der eigentliche Träger beispielsweise einer Erzählung im Vordergrund steht. Werden dagegen die musikalischen und filmischen Medien beispielsweise von einander räumlich getrennt aufgeführt, können Musik und Film als ein künstlerisches Ereignis aufgezeigt werden, in dem das eine Medium das andere ergänzt. Diese Beziehung kann selbst in die konzertante Aufführung von Filmmusik nachwirken, wenn allein über die Musik Bilder in die Vorstellung des Publikums im wahren Wortsinn projiziert werden.

Subversion

Von jeher ist Film theatralisch, bühnenhaft, erzählend zweidimensional. Die Musik ist allenfalls Komplizin, eine Begleiterin, die unterwürfig Kommentare abgeben darf. All dies ist Ausdruck einer Knechtschaft durch eine geradezu literarische Subversion als Versuch, Traumbilder zu visualisieren ohne damit zu ängstigen. Filme bannen Träume in die Sicherheit von Geschichten und Musik als Begleitung wirkt als bestätigende Beruhigung einer trügerischen Sicherheit in den brüchigen Analogien eines überkommenen bürgerlichen Zeitalters.

Ist Musik, ist ein Film, doch einmal anders, so hat er keinen Erfolg, jedenfalls nicht außerhalb eingeweihter Kreise. Nur so erklärt es sich, dass Film die einzige Kunst ist, deren Formen von Anfang an weitgehend unverändert bleiben musste, allenfalls in Nuancen variiert, gekettet an industrielle Produktionsformen und damit finanzielle Unwägbarkeiten, die allein in tradierten Methoden ein sicheres Auskommen zu gewährleisten in der Lage sind. Auch wenn die Musik sich hier weit mehr aus dem Fenster gelehnt hat mit all den Experimenten, so ist doch erwiesen, dass es sich in der Abhängigkeit zum Film einem breiteren Publikum am besten vermitteln ließ.

Film ist Rhythmus

Stichwort Subversion, sie trägt das Medium. Kapitelweise, schnittweise. Frank Strobel wirkt inmitten dieser Unordnung wie ein Ordnender, und doch ist er es, der zugleich das tiefere Wesen des Films als eines metrischen Elements früh verstanden und in das Zentrum seines Schaffens gestellt hat. Und so bietet uns die Betrachtung seiner Arbeit die Gelegenheit, Film und Musik nicht als erzählende Phänomene zubereiten, sondern aus sich heraus, aus der Perspektive des Entstehens zu begreifen. Denn Film ist Rhythmus, und in gewisser Weise ist Rhythmus auch Film. Im Klang liegt eine Bildhaftigkeit verborgen, die sich vielleicht nicht autonom enthüllt, die aber als tragende Konstruktion es möglich macht, verloren geglaubte Bilder wieder zu entdecken.

Ablauf

Der Film begleitet den Musiker durch ein komplettes Projekts hindurch, verteilt auf die Stationen eines Tages.

  1. Die Anbahnung einer Idee
    1. Akquise durch die Film-Philharmonie
    2. Recherche nach neuen Möglichkeiten
    3. Auftrag durch beispielsweise einen Sender
  2. Erste Recherchen
  3. Die Auseinandersetzungen mit dem Material
    1. Der Geschichte
    2. Des Films
    3. Der Musik
  4. Der Adaption der Musik an den Film
  5. Der Organisation der Durchführung
    1. Filmrekonstruktion
    2. Filmrestauration
    3. Orchester
    4. Technik
  6. Erste Proben
  7. Premiere
  8. Tournee des Films, Konzerte
  9. Ausstrahlung / Sender
  10. Abschluss
  11. Öffentliche Kritik

Seit mehr als 25 Jahren arbeite ich als Künstler und Gestalter. Auftragsarbeiten profitierten – und profitieren – dabei von den freien Projekten und umgekehrt.

2004 gründete ich mit »Kultursysteme« meine Plattform für die Konzeption, Gestaltung und Produktion von Medienkunstprojekten.

Die Werkräume des Ateliers »Dipl.-Des. Thomas Mank« befinden sich seit 2007 im Brückenhaus, dem Zentralbau der „Weißen Stadt“, einer der fünf Siedlungen der Moderne in Berlin.

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