HOCHHAUS

Diese Collage aus Bewegtbildern war der erste, wirklich durchkomponierte Einsatz einer Montagetechnik, die ich mir zuvor vielfach zunächst mit Fotografien, dann auch bereits mit Filmmaterial erarbeitet hatte. Die Arbeit steht bis heute für eine Erfahrung, die mein Leben entscheidend verändert und den Grundstein für meine gestalterischen Auffassungen gelegt hat.

Thema ist zunächst die Umsetzung architektonischer Motive einer HOCHHAUS-Fassade (damals BfG-, heute Europa-Tower) in Klang und bewegtes Bild mittels fotografischer Prozesse, aber ohne Filmkamera. Dafür wird eine Sequenz von fünf 35mm-Fotonegativen hergestellt, deren Länge entspricht einer Sekunde 16mm Film. Diese Negativ-Sequenz wird durch fotokopieren und negativ-positiv-spiegeln vielfach dupliziert. Die verschiedenen Sequenzen werden auf zusammen geklebt und ergeben den auf diese Weise den Kernfilm aus Papier.

Dieser "Kernfilm" wird dann mithilfe eines simplen Fotokontakt-Belichters per Hand auf 16mm-Positiv übertragen. Dieser Vorgang wird sooft wiederholt, bis das 35mm-Format nicht nur in seiner Länge, sondern auch in der Breite vollständig abgetastet ist - horizontal und vertikal also.

Dabei wird zwangsläufig auch die Lichttonspur auf dem Filmmaterial mit belichtet, die am Rand eine Breite von 3mm ausmacht. Da auf diese Weise im handgefertigten Original Ton und Bild auf gleicher Höhe liegen, was in der Projektion ein asynchrones Ereignis erzeugen würde, muss in einem dritten Schritt - nach dem Papieroriginal und der 16mm Handkopie - eine dritte Kopie erzeugt werden. Das habe ich auch per Hand getan, und zwar in einem alten Filmkopiergerät. Dort wird nun ein zweiter 16mm-Film zweimal belichtet: erst die Bildspur, dann anschließend die Lichttonspur, letztere um 24 Bilder versetzt. Das entspricht dem Abstand, wie Bild und Ton im Projektor abgetastet werden. Das Ergebnis ist das eigentliche synchrone Original, von dem nun 6 Kopien - per Hand - hergestellt wurden. Alle Kopiervorgänge mussten in Dunkelheit bzw. bei Rotlicht ausgeführt werden; der Aufwand war also enorm.

Für die Wiedergabe hier im Netz habe ich den Film als Clip nachgearbeitet; das Bild ist jetzt wesentlich grafischer, die Grautöne sind sehr reduziert. Das ist der vergleichsweise geringen Fläche des Bildschirms geschuldet: Der stroboskopische Rhythmus entsteht durch die unterschiedlichen Größenverhältnisse des ursprünglichen Materials und erzeugt in der Kinoprojektion Nachbildeffekte, die sich hier im Computer nur mit gutem Willen wahrnehmen lassen. Das ursprüngliche Format habe ich beibehalten, weshalb man hier bei der Wiedergabe oben und unten Balken erkennen kann.

Thomas Mank, Februar 2015