DomRömer – der gebaute Diskurs Anmerkung des Autors

Am Anfang stand zunächst die Idee zu einem Werkportrait von Marc Jordi und Susanne Keller. Beide arbeiten nicht nur miteinander, sondern sind auch verheiratet und leben buchstäblich ihre aus der Beständigkeit langjähriger Partnerschaft durchdachte und erarbeitete Auffassung von Kunst und Architektur mit einer Konsequenz, die mich fasziniert.

Aus den gemeinsamen Gesprächen wusste ich bereits früh vom ebenso spannenden wie schwierigen und langwierigen Prozess des Wiederaufbaus der Frankfurter Altstadt, an dem sie mit gleich zwei Gebäuden beteiligt waren. Aber erst eine Bemerkung von Marc Jordi, dass eine längere Zwangspause eingetreten sei, weil man sich innerhalb der Stadtverwaltung erst über die Höhe der Bürgersteige einigen musste, brachte mich auf den Gedanken, nicht über Jordi-Keller arbeiten zu wollen, sondern über das Projekt der Neuen Altstadt.

Spannend war hier zunächst schon mal die schiere Tatsache, dass so viele unterschiedliche politische, aber auch gesellschaftliche Interessen zueinander kommen mussten. Dann auch die Frage, wie aus den unterschiedlichen Interessenlagen ein letztendlich doch auch architektonisch vielfältiges Gebilde entstehen konnte, das zudem mehr sein will als nur eine bloße Rekonstruktion. Wie konnte allein dieser Anspruch entwickelt und konsolidiert werden?

Zudem hat das Altstadt-Projekt zahlreiche Kontroversen ausgelöst, die zwar auch bundesweit im Zusammenhang mit den unterschiedlichen Rekonstruktionsprojekten geführt, aber in Frankfurt im besonderen Maß und Schärfe ausgetragen wurden und werden. Hier kann ein Film, der über eine bloße Dokumentation hinaus geht und stattdessen das Thema im Zusammenhang mit einem kulturpolitischen Diskurs darstellt, von besonderem Interesse sein.

Als ich erfolgreich die ausführende DomRömer GmbH für die Einwilligung kontaktierte und sich dabei herausstellte, dass es lediglich eine fotografische Dokumentation der Bauarbeiten geben würde, wurde mir zudem bewusst, dass ein solches Filmvorhaben die Möglichkeit bietet, nachhaltig mit einem auf wahrscheinlich Jahrhunderte hinaus einmaligen Projekt verbunden zu bleiben.

Mitte 2017 nahm ich für die Produktion Verbindung zur Frankfurter Sehstern Filmproduktion von Vita Spieß und Reiner Krausz auf, ursprünglich mit dem Ziel, das Projekt bis September 2018 und damit zur Eröffnung der neuen Altstadt zu verwirklichen. Allerdings wurde ich im Herbst 2017 unerwartet krank und fiel komplett das gesamte Jahr 2018 aus; im Mai dieses Jahres habe ich wieder begonnen zu arbeiten und führe jetzt das Projekt, wie auch die Zusammenarbeit mit der Sehstern Filmproduktion, mit einem überarbeiteten Konzept fort.

Für das neue Konzept entfällt der Ereignischarakter, der zunächst noch durch das Ziel der Eröffnung gegeben war; im Mittelpunkt steht jetzt die Entstehung der Neuen Frankfurter Altstadt als ein aus Sprache entwickelndes Selbstverständnis einer Stadt und Gesellschaft.

Thomas Mank

Juni 2019